Timely Matters: Memory, Justice, Entanglements and Responsibility

16. Apr 2012  — Das Referat Genderforschung der Universität Wien in Kooperation mit dem Gender Initiativ Kolleg (GiK), dem Institut für Wissenschaftsforschung und der Fakultät für Physik laden in der Reihe GENDER TALKS zum Vortrag von Karen Barad (University of California Santa Cruz) Donnerstag, 19. April 2012, 18-20 Uhr Universität Wien Lise-Meitner Hörsaal (OG 1, Fakultät für Physik), 9., Boltzmanngasse 5

Vortrag in englischer Sprache. Keine Anmeldung erforderlich.

Begrüßung und einleitende Worte:

Univ. Prof.in Dr.in Sigrid Schmitz , Leiterin des Referats Genderforschung und Professorin für Gender Studies an der Fakultät für Sozialwissenschaften und

Univ.-Prof. Mag. Dr. Christoph Dellago, Dekan der Fakultät für Physik

 

 Karen Barad erstmals an der Universität Wien

Am 19. April 2012 spricht die US-amerikanische Wissenschafterin Karen Barad erstmals an der Universität Wien. Ihr Vortrag „Timely Matters: Memory, Justice, Entanglements, and Responsibility“ ist eine seltene Gelegenheit, die engagierte Physikerin und feministische Wissenschafterin in Österreich zu hören. Wissenschaft zu betreiben und über Wissenschaft nachzudenken sind für Barad Teil einer gemeinsamen Praxis.

Karen Barad ist Professorin für Feministische Studien, Philosophie und Geistesgeschichte an der Universität von Kalifornien Santa Cruz (UCSC).  Die promovierte Physikerin ist Autorin von „Meeting the Universe Halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning“ (Duke University Press, 2007) sowie zahlreicher Aufsätze in Physik, Philosophie, Wissenschaftsforschung, poststrukturalistischer und feministischer Theorie.  Karen Barad leitet außerdem das von ihr mitbegründete und von der National Science Foundation finanzierte Graduiertenprogramm „Ethics and Justice in Science and Engineering Training Program“ an der UCSC.

Passion und Profession: Feminist Science Studies

In der der  Scientific Community machte sich Barad mit  dem agential realism einen Namen. Eine Methodologie, die nicht nur die Grenzen von Meta/Physik und Philosophie verwischt, sondern die Fragen nach Transdisziplinarität und dem konstitutiven Verhältnis von Subjekten und Objekten des Wissens neu stellt.

Das Schlüsselkonzept des agential realism ist das der intra-action: ein Neologismus, den Barad in Abgrenzung zum Begriff der Interaktion einführt, um die wechselseitig verschränkte Konstituierung zu markieren, die Phänomene untrennbar mit deren Produktionsprozess verbindet: Abgegrenzte Entitäten gehen in dieser Konzeption niemals per se dieser intra-action voran, sondern Phänomene konstituieren sich  erst daraus.

Mit dem Aufbrechen von Dualismen wie menschlich/nicht-menschlich, Geist/Materie oder Natur/Kultur ist Karen Barad nicht nur für die Meta/Physik interessant – so schlägt sie in „Meeting the Universe Halfway“ eine Interpretation der Quantenphysik mit der Methodologie des agential realism vor. Wie die Wissenschafterin jüngst in der Zeitschrift „Social Studies of Science“ darlegte, bietet ­Barads onto-epistemologisches Rahmenwerk „eine Möglichkeit ‚die Natur‘ und ‚das Soziale‘ zusammen zu denken, die sich der Welt gegenüber offen und verantwortungsvoll zeigt“.

Die Feminist Science Studies, in deren langer Tradition sich Barad verortet, stehen dabei nicht für eine Unterkategorie der Wissenschaftsforschung, die sich mit „Frauen und Geschlecht“ beschäftigt, sondern für die Unternehmung, an einer besseren Welt zu arbeiten.

Am Vortag, dem 18.04.2012, steht Karen Barad zusätzlich für einen nicht-öffentlichen Workshop an der Universität Wien zur Verfügung, bei dem Graduierende und Graduierten aus den Gender Studies, der Physik, der Soziologie, der Informatik sowie der Wissenschaftsforschung und Philosophie die Gelegenheit haben, eigene Forschungen mit der prominenten Wissenschafterin zu diskutieren.

Rückfragehinweis:

Univ.Prof.in Dr.in Sigrid Schmitz, Referat Genderforschung der Universität Wien

T: +43-1-4277-49590

E-Mail: sigrid.schmitz(at)univie.ac.at

Website: http://gender.univie.ac.at/veranstaltungen/gendertalks