Vortrag von Evelyn Fox Keller: Darwin as the Newton of Biology?

19. Oct 2010  — Auf Einladung von Anton Zeilinger hält Evelyn Fox Keller am Mittwoch, 3.11.2010 einen Vortrag an der Fakultät für Physik der Universität Wien.


Vortrag von Evelyn Fox Keller: Darwin as the Newton of Biology?


Unter dem provokanten Titel „Darwin as the Newton of Biology?“ geht sie der These nach, ob aktuelle gentechnische Forschungsergebnisse Kants Aussage „es werde nie einen Newton des Grashalms geben“ Lügen strafen.

Abstract: It has often been claimed that Darwin’s theory of evolution by natural selection put the lie to Kant’s prediction that there will never be “a Newton of a blade of grass”. 

I will first argue that, for all Darwin’s achievements, his theory was not able to address Kant’s concerns, and second, re-examine Kant’s predictions in the light of recent developments in biophysics.

Event date: 03.11.2010, 17:00 to 03.11.2010, 19:00

Speaker: Evelyn Fox Keller Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA

Location: Christian-Doppler-Lecture hall, Boltzmanngasse 5, 1090 Vienna

Evelyn Fox Keller wird im deutschsprachigen Raum als „grande dame“ des wissenschaftskritischen Feminismus wahrgenommen. Die Professorin für  Wissenschaftsgeschichte und -philosophie am MIT in Cambridge ist allerdings promovierte theoretische Physikerin – und hat sich noch nie in Schubladen kategorisieren lassen.

„Auch ein Lebenslauf kann eine Biographie sein“, schreibt Evelyn Fox Keller 1998 in ihrem Buch „Das Leben neu denken“. Kellers Lebenslauf liest sich spannender als ein Roman: zunächst interessierte sie sich nicht für die Naturwissenschaften, entdeckte am College aber ihre Liebe zur Physik – unter hundert Doktoranden an der Harvard University war sie schließlich die einzige in theoretischer Physik. Man legte ihr allerdings nahe, für die Dissertation ein molekularbiologisches Thema zu wählen, da „theoretische Physik nichts für Mädchen sei“. Fox Keller musste also – was damals nicht unüblich war – kurzerhand in die Molekularbiologie wechseln – ihr Doktorvater war der spätere Nobelpreisträger Walter Gilbert, der diesen Schritt ebenfalls gemacht hatte. Dies mag Auslöser für ihre weitere Laufbahn gewesen sein: Fox Keller kreierte eine eigene Disziplin, die Biomathematik, bevor sie unter dem Einfluss des Feminismus der siebziger Jahre begann, sich kritisch mit der Beziehung von wissenschaftlichem  - männlich dominiertem - Establishment und der Rolle von Forscherinnen darin auseinanderzusetzen. Die Naturwissenschaften, im speziellen Physik und Biologie, blieben aber weiterhin Ausgangspunkt ihrer Überlegungen – so beschäftigte  sie sich auch mit den erkenntnistheoretischen Grundlagen der Quantenphysik. 

Biografie:

Evelyn Fox Keller promovierte 1963 in theoretischer Physik an der Harvard Universität. Bevor sie sich mit Philosophie und feministischer Wissenschaftskritik auseinandersetzte, arbeitete sie einige Jahre an der Schnittstelle zwischen Molekularbiologie und Physik/Biomathematik. Nach zahlreichen Lehraufträgen an renommierten amerikanischen Universitäten wechselte sie schließlich 1992 als Professorin für Wissenschaftsgeschichte und –philosophie zum MIT in Cambridge.

Zu ihren bekanntesten  Arbeiten zählen:

„Barbara McClintock: die Entdeckerin der springenden Gene“ (1983)

„Liebe, Macht, Erkenntnis. Männliche oder weibliche Wissenschaft? (1986)

„Das Leben neu denken. Metaphern der Biologie im 20. Jahrhundert“ (1994)

„Das Jahrhundert des Gens“ (2000)